Porträts Insel usedom Christine Harloff - Chefin des Tropenhauses Bansin

Wer einmal, oder mehrfach wie ich, mit der Chefin des Bansiner Tropenhauses zusammengetroffen ist, wird sie als eine Frau mit angeborener Freundlichkeit und Lebenslust „abspeichern“. Nach einigen Worten über ihren Werdegang und das Fazit ihrer Entschlüsse gibt sie ehrlich zu, dass sie „überwiegend glücklich“ über ihren bisherigen Weg ist, und nur ganz ganz selten das Wort Fehler in ihren Gedanken zulässt. „Aber so sind Frauen eben“, fügt sie lachend hinzu, und meint damit eigene Stimmungsschwankungen ebenso wie das Verhalten ihrer Lamastuten beim Trekking.

Schon sind wir beim Thema Tiere, welches ihr Leben von Kindheit an bestimmt hat. Geboren in Heringsdorf, aufgewachsen in Ahlbeck und jetzt in Bansin wohnend, waren ihre Berufswünsche „Zoodirektor oder Dompteur“. Sie begann nach der Ausbildung zur Zootechnikerin 1988 als Tierpflegerin im damaligen Tropenhaus und wurde schon ein Jahr später zur Leiterin ernannt. Die gleichzeitig begonnene dreijährige Fern-Qualifizierung zur Zootierpflegerin am Zoo Rostock sollte sich als sehr zukunftsträchtig erweisen, denn für das Tropenhaus brachen ganz neue Zeiten an. Es wurde bis 1995 komplett neu gebaut, zusammen mit der dazugehörigen Appartementanlage. Von 1999 bis 2003 war Christine Harloff Geschäftsführerin, seitdem Pächterin und damit gesamtverantwortlich und – mit vollkommen eigener Entscheidungsbefugnis. Ihr Umgang mit Tieren ist eine herzerfrischende Mischung aus liebevoller Zuwendung und Konsequenz – beide Berufsziele haben sich damit vereint.

Apropos Lamas. Einmal mit diesen exotischen Tieren zu tun zu haben, ist ebenfalls ein Wunsch aus Kindertagen. Seit sechs Jahren schon wohnt eine kleine Gruppe dieser Hochlandtiere in ihrem Weidehof am. Das Lama-Trekking ist ein ganz besonderes Erlebnis für die ganze Familie.

Im Tropenhaus leben etwa 300 Tiere in 50 verschiedenen Arten, und Christine Harloff kennt sie natürlich alle mit Namen und Lebenslauf. Jetzt, nach diesen Jahren der Umsetzung eigener Vorstellungen, durchaus mit Höhen und Tiefen, zieht sie das bestimmte und erfreuliche Fazit: Ich mache jetzt das, was ich immer schon machen wollte. „Das“ ist nicht nur der Umgang mit Tieren, sondern ist mindestens zu gleichen Teilen das Bemühen, der ehrliche Wunsch, den Einwohnern und Gästen ihrer Insel etwas für die sinnvolle Freizeitgestaltung zu bieten.

Und in dieser Hinsicht schlummern noch andere Ideen in ihrem Kopf. Sie möchte gerne ein Waldstück pachten und daraus ein Kinderparadies gestalten, aber das wird wohl noch ein paar Jahre warten müssen.

Alex Harloff - Tropenhaus BansinIhre Tierliebe hat Christine Harloff in mindestens gleicher Dimension auf ihren 11-jährigen Sohn Alex übertragen. Er ist nicht nur täglich im Tropenhaus zu finden, sondern ist schon Mitglied im Kaninchenzuchtverein und hat bereits die Betreuung der Mini-Shetland-Ponys in eigene Regie übernommen. Zu Weihnachten darf er selbst die Kutsche des Weihnachtsmannes führen, und Reiten kann er wie ein Cowboy. Beide, Mutter und Sohn, sind Mitglied im Shetlandponyverein Mecklenburg-Vorpommern, aber die Ponys sind schon zu klein als Reittiere für den großen Alex, der auch schon bei der Redefiner Hengstparade mitgewirkt hat.

Christine Harloff kann sich in ihren Entscheidungen auf ihre Stärken verlassen – ihre Offenheit, Freundlichkeit, aber auch die Entschlossenheit und Fähigkeit, weitsichtig zu denken und zu handeln. Sie stand vor der Entscheidung, ihr Leben in eigene Hände zu nehmen, trotz des damit verbundenen Risikos. Das Ergebnis hat ihr Recht gegeben, ihre Freundlichkeit und ihr Lachen sind ansteckend und nicht zuletzt Ausdruck von Optimismus und Selbstvertrauen, eines inneren Gleichgewichts, das sie aber immer wieder neu erkämpfen musste.

Text: Rainer Höll

Foto: © Tropenhaus Bansin

Werbung

News

Eine Nacht im Strandkorb
Vor allem an abgelegenen Strandabschnitten Usedoms sind sie zu finden: Romantiker, die eine Nacht direkt am Strand verbringen – im Zelt oder nur durch den Schlafsack „geschützt“. Das ist nicht in jeder Hinsicht gesetzeskonform, wird aber meist toleriert. Nun hat das Ostseebad Ückeritz eine ganz legale romantische Übernachtungsmöglichkeit geschaffen.
27. Usedomer Kunstauktion in Heringsdorf
Wie wohl fast alle Küstenregionen ist auch die Insel Usedom zu Refugium von bildenden Künstlern geworden. Die Usedomer Malerschule ist sprichwörtlich, ihre Tradition wird durch den Usedomer Kunstverein e.V. fortgeführt. Dieser veranstaltet am 19. September in Heringsdorf die diesjährige Kunstauktion.
Woche der Bäderarchitektur
Trotz dieser Bezeichnung gibt es nach Aussagen vieler Fachleute keine „Bäderarchitektur“. Sie ist eher eine Sammlung bevorzugter Baustile, die vorwiegend an Beherbergungsstätten in Kurorten verwendet wurden, ob an der Küste oder im Binnenland.