Stadtgeschichtliches Museum „Kaffeemühle“ in Wolgast

Stadtgeschichtliches Museum „Kaffeemühle“ in Wolgast Stadtgeschichtliches Museum „Kaffeemühle“ in Wolgast

Das stadtgeschichtliche Museum in Wolgast, dem nördlichen Tor zur Ostsee-Insel Usedom, befindet sich in dem ältesten Profanbau der Stadt. 1955 wurde es zunächst als Heimatmuseum gegründet. Heute umfasst es eine Ausstellungsfläche von ca. 700 Quadratmeter und hat sich einen positiven Ruf weit über die Grenzen der Stadt Wolgast hinaus erarbeitet. Es ist ein besonderer touristischer Anziehungspunkt für Feriengäste der Insel Usedom und des vorpommerschen Festlands zwischen den Hansestädten Greifswald und Anklam geworden.

Das Gebäude selbst wurde 1982 und 1995 grundlegend saniert. Der einstige Getreidespeicher aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts imponiert noch heute durch seine Fachwerkbauweise und seine holländische Dachkonstruktion, die ihm wegen des ähnlichen Äußeren den Namen „Kaffeemühle“ eingebracht hat. Erhalten sind noch die breite Einfahrtsdiele für Pferdewagen und eine Aufzugsluke mit Schwungrad im Dachstuhl.
Nach dem Stadtbrand von 1713 war das Haus eines von drei Gebäuden, die das Inferno überstanden haben. Der Eigentümer, ein Getreidehändler, war froh, dass wenigstens dieser Speicher erhalten war, denn sein Wohnhaus am Markt wurde ebenfalls Opfer der Flammen. So richtete er sich hier seine Wohnung ein, ließ im ersten Stockwerk eine Küche einbauen und die gesamte Dielendecke bemalen.
Etwa 1840 wird ein Gastwirt namens Sauerbier als neuer Eigentümer genannt, der den einstigen Speicher zum Restaurant umfunktioniert. Durch einen Anbau erhält die Gaststätte auch einen Tanzsaal, den heutigen Raum für Sonderausstellungen. Die „Goldene Traube“ existierte bis in die 1950er Jahre, nachdem das Haus noch als Flüchtlingsunterkunft und selbst als Kirche genutzt wurde.
Zur 700-Jahrfeier 1957 wollte die Stadt ein Museum besitzen und so wurde 1955 die erste Heimatstube in der Kaffeemühle errichtet. Nach der Sanierung des Hauses zur 725-Jahrfeier 1982 und seit der Instandsetzung der beiden Dachgeschosse 1995 wurde das gesamte Haus, nun über fünf Etagen, als stadtgeschichtliches Museum neu eingerichtet.

Die Ausstellung in der "Kaffeemühle"

Stadtgeschichtliches Museum Kaffeemühle in WolgastEine Reise durch die Geschichte Wolgasts kann man heute in anschaulicher Weise in diesem Haus erleben, das liebevoll gestaltet und mit vielen interessanten Exponaten bestückt ist. Im Museum kann sich der Besucher über die 500 Jahre währende Herzogzeit in Wolgast und das einstige Renaissanceschloss der Pommerschen Fürsten informieren, kann 200 Jahre Schwedenherrschaft in der Geschichte dieses Landes nachvollziehen und so manche Seemannsromantik auf Zwei- und Dreimastseglern erfahren, denn Handel und Schiffbau waren von Anbeginn die wirtschaftliche Grundlage der Stadt an der Peene. Das Industriezeitalter ist ebenso dargestellt wie die Zeit von 1900 bis 1990. Ein Bereich für Volkskunst, ein Schulzimmer und der Kaufmannsladen von 1920 sowie Möglichkeiten für immer wieder interessante Sonderausstellungen komplettieren das Erlebnis dieses Museumsbesuches.
Internationale Aufmerksamkeit erregte das Museum in den vergangenen 15 Jahren durch so bedeutsame Ausstellungen wie die über Lyonel Feininger, Philipp Otto Runge sowie über die Schwedenzeit im Jubiläumsjahr 2007, mit zahlreichen Originalexponaten aus dem Schlossmuseum (Livrustkammaren) Stockholm.

Weitere Interessante Ausflugsziele in Wolgast sind das Runge-Haus mit einer Ausstellung über den Romantik-Maler Philipp Otto Runge, die Eisenbahnfähre "Stralsund" im Museumshafen, die Kapelle St. Gertrud und der Wolgaster Familientierpark.

Stadtgeschichtliches Museum „Kaffeemühle“
Rathausplatz 6
17438 Wolgast
T (0 38 36) 20 30 41
www.museum.wolgast.de


Text: Dr. Bärbel Roggow, Museumsleiterin
Fotos © Museum Wolgast
 

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