Erhard Diller: „Mach was Anständiges!“

Erhard Diller: „Mach was Anständiges!“ Erhard Diller mit Figuren seines Usedomer Spielzeugmuseums in Peenemünde

Erhard Diller ist auf der Insel Usedom kein Unbekannter. Besonders im Inselnorden hat er in den letzten 25 Jahren viele Spuren hinterlassen. Dazu gehört beispielsweise das Usedomer Spielzeugmuseum in Peenemünde. Im kommenden Jahr feiert Erhard Diller einen runden Geburtstag. Aber darum wird er genauso wenig „Gewese“ machen wie über alles, was er in seinem Leben zustande gebracht hat.

Nur Insider können seine Herkunft nach dem Dialekt mit dem rollenden „R“ bestimmen. Der Thüringer wuchs unmittelbar an der hessischen Grenze auf, die eigentlich mitten durch sein Elternhaus ging. Schon früh wurde er daran gewöhnt, dass niemandem etwas in den Schoß fällt. Seine Eltern hatten neben ihren Berufen eine Kleinbauernwirtschaft, da gab es auch für Kinder immer etwas zu tun. „Junge mach was, egal was, aber mach es anständig!“ Diese Worte gab ihm sein Vater mit auf den Weg – und Erhard Diller hatte genügend Gelegenheiten, diesen Rat zu beherzigen. Nie ließ er sich auf ein bestimmtes Arbeitsgebiet festlegen, immer öffneten sich ihm neue Möglichkeiten, die er nutzte. Der Erfolg dessen, was er anpackte, stand für ihn immer im Vordergrund. Die Lehre als Maschinenbauer ergänzte er durch ein Fachschulstudium. So holte er sich die Kenntnisse in praktischen Dingen, die ihm noch oft helfen sollten. Sein Hobby Fotografie führte ihn auf den Weg als Jugendredakteur von Betriebs- und Lokalzeitung. Von da bis zur Arbeit mit Jugendlichen – als junger Mann – war es nicht mehr weit. In Zella-Mehlis kümmerte er sich um die Gründung eines Jugendclubs und die Kulturarbeit. Die Stadt war damals schon ein Zentrum des Wintersports, brachte den ersten deutschen Skisprung-Olympiasieger Helmut Recknagel hervor. Weniger bekannt ist die damals zur Weltspitze gehörende Sektion Ringen, wo Erhard Diller den fairen Zweikampf erlernte. Bei vielen Gelegenheiten konnte er sein Talent zur Realisierung von Großveranstaltungen unter Beweis stellen.

Die 1980er Jahre führten ihn wieder zurück in die Wirtschaft. Hier lernte er die harte Realität beim Aufbau eines Kombinates kennen, fernab von allen politischen Phrasen jener Zeit. „Wir hatten 4.500 Beschäftigte - und ebenso viele Produkte. Wie sollte das gehen?“ Er versuchte das Beste daraus zu machen und kam dabei immer öfter in Kontakt mit seiner heutigen Lebensumwelt – der Ostseeküste. Der kombinatseigene Feriendienst hatte Objekte auf dem Darß und auf Usedom. Seinen Jugendtraum wollte er umsetzen: Die weitläufige Ostseeküste, die er schon als Kind oft im Ferienlager besucht hatte, mit den „einengenden“ Bergen tauschen. So kam er bereits Anfang 1989 nach Karlshagen, sollte dort ein neues HO-Objekt aufbauen. Sein Instinkt und seine Erfahrungen rieten ihm davon ab. Doch schon wenige Monate später trat er ein in das neue Terrain der Marktwirtschaft, zwar notgedrungen, aber mit dem Elan eines Mannes, der schon immer am liebsten etwas Eigenes machen wollte und dazu genügend Erfahrungen mitbrachte.

Projekte auf der Insel Usedom

Das Usedomer Spielzeugmuseum lässt die Lieblinge aus Kindertagen wieder auflebenErhard Diller konzentrierte sich auf das große Gebiet der Versorgung und der Veranstaltungen, war zeitweilig bundesweit aktiv, absolvierte die nötigen Weiterbildungen. Stammgäste der Insel werden noch das alte „Historisch-Technische Informationszentrum“ in Peenemünde kennen, mit vielen militärischen Objekten auf dem Freigelände. Und den Salonwagen der NVA als „Kiosk“ direkt vor der Bunkerwarte – betrieben von Erhard Diller. Schritt für Schritt setzte er seine Ideen um, immer „anständig“ und mit Ergebnis. Ob eine Gaststätte am Peenemünder Hafen, ein Bernsteinhandel oder Ferienwohnungen im Dünenwald von Karlshagen, alles zusammen bildete seine neue Lebensgrundlage.

2005 begann er dann, unter Nutzung der Traditionen seiner thüringischen Heimat, eine Idee aus den frühen Neunzigern umzusetzen. Unmittelbar gegenüber dem Historisch-Technischen Museum Peenemünde entstand ein Spielzeugmuseum. Die umfangreiche Sammlung seines Freundes und Landsmannes Herbert König wurde der Grundstock einer einzigartigen Exposition. Der mittlerweile erfolgte Anbau wird noch weiter als Ausstellungsfläche erschlossen, auch das Außengelände ist ein Fernziel.
Erhard Diller hat ständig einen wachen Blick auf seine Umwelt, auf Personen in seiner Nähe, auf die engere und weitere politische Umgebung, bildet sich sein Urteil, mit dem er nach außen hin jedoch sehr sparsam umgeht. Im Vordergrund stehen für ihn zu jeder Zeit Sinn und - auch ökonomischer - Erfolg einer Unternehmung.

Text und Fotos © Rainer Höll

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