Auf dem Rad um die Insel Usedom

Auf dem Rad um die Insel Usedom Auf dem Rad um die Insel Usedom

Der Nebel lag an diesem 17. Juli noch über den Peenewiesen am Karlshagener Hafen, als ich mich um fünf Uhr auf den Weg machte, um ein lange geplantes Vorhaben zu verwirklichen: Eine Radtour rings um die Insel Usedom. Das Wetter spielte mit, und auch der Wind blies nicht zu stark. Den genauen Kurs und damit die Kilometerzahl machte ich dann von der Situation, sprich der Kondition abhängig.

Zunächst ging es am Peenedeich entlang nach Süden bis nach Zecherin. Hier lohnt sich aber nur am Tage ein Blick über den malerischen kleinen Hafen. Es folgten einige Steigungen mit den dazugehörigen Abfahrten bis Wolgast-Mahlzow und weiter über Neeberg nach Krummin. Den lohnenden Abstecher zum Hafen Ziemitz sparte ich mir sicherheitshalber. In Krummin ließ ich die ehemalige Klosterkirche rechts liegen und bewältigte den Plattenweg am Ufer der Krumminer Wiek bis nach Neuendorf, nun begleitet von der aufgehenden Sonne über den Wiesen. Nach knapp 20 Kilometern empfahlen mir meine Beine, den Bogen über die Halbinsel Gnitz mit der Steilküste des Weißen Bergs auszulassen und so rollte ich auf dem Radweg neben der Straße weiter nach Nordwesten bis Zinnowitz, vorbei am gerade erwachenden Zirkus. Der neue Radweg nach Zempin bog dann im Ort auf die Nebenstraße ab.

Nebel über den Peenewiesen am Karlshagener Hafen     Blick von Neu Pudagla über das Achterwasser zum erwachenden Balm








Immer wieder faszinierend ist dann der Blick vom Ostseedeich zwischen Zempin und Koserow auf das nur 250 Meter entfernte Achterwasser, über Straße und Schiene hinweg. Der Verkehr hatte schon um diese frühe Tageszeit spürbar zugenommen. Durch Koserow hindurch erreichte ich Loddin, bog nach rechts ab und nahm den schmalen asphaltierten Weg nach Ückeritz, fern allen Straßenverkehrs. Den Ort durchquerte ich dann in Richtung des Hafens Stagnieß, der sich frisch erweitert und modernisiert präsentierte. Nicht das erste Mal benutzte ich danach den Deich in Richtung Pudagla, der – offen gesagt – nicht als Fahrradweg ausgewiesen ist, was durch den unebenen Untergrund bestätigt wurde.

Geheimtipp Pudagla

Für den kleinen Strand dieser Gemeinde hatte ich die Frühstückspause eingeplant. Immer noch, es war fast acht Uhr, zeigte sich die Wasserfläche still und glatt, am anderen Ufer des Achterwassers leuchteten die Hotelgebäude von Balm in der Morgensonne. Dieses kleine Stück Strand lädt geradezu ein, zum Grillen, Ausspannen, Abschalten. So weit war ich aber noch nicht, und der folgende Streckenabschnitt bis nach Neppermin zwang zweimal zum Schieben, zunächst durch den Sand, dann eine kurze steile Steigung hinauf. Hier verließ ich mutig die ursprünglich geplante Route über Mellenthin direkt nach Süden und wählte den „Bogen“ über die Stadt Usedom. Voller Eindrücke ist die Runde um den Nepperminer See, den ich bis zum Balmer See neben mir hatte. Über eine gut befahrbare Straße führte meine Tour weiter bis nach Dewichow, zu einer malerischen Badestelle am Krienker See, einer Ausbuchtung des Achterwassers.
Krienker See   Suckower Eiche - der vermutlich ältestete Baum Usedoms










Nach erfolglosem Ignorieren eines schleifenden Geräusches am Vorderreifen konnte ich die zu eng eingestellte Bremse als Ursache ausmachen und beheben. In Morgenitz stand die nächste Entscheidung an: Lieper Winkel ja oder nein. Ich bevorzugte die kurze Variante, vor allem im Hinblick auf unbeschadete Rückkehr und setzte den Weg geradeaus nach Süden fort. Kurz hinter Suckow verließ ich mich fälschlicher Weise auf die Fahrradkarte und nahm einen etwas kürzeren Weg durch den Wald in Richtung B 110. Schwere Technik hatte den Weg jedoch fast unpassierbar gemacht. Eine Erholung war dann das letzte Stück auf der B 110 bis in die Stadt Usedom.

Am Stettiner Haff

Das Kartensymbol fand seine Bestätigung, denn von Usedom Stadt führt ein vier Kilometer langer asphaltierter Radweg quer durch den Wald nach Stolpe. Am Anfang des Weges kam mir eine Idee, denn ich hatte keinen Kaffee mitgenommen… Ich rief Dirk Weichbrodt, den Betreiber des Wisentgeheges Prätenow an, fragte ihn, ob er zufällig am Gehege sei. „Zufällig nicht, aber ich komme hin,“ kam die kurze Antwort. Dreißig Minuten später plauderten wir bei einer Tasse kräftigenden Kaffees, danach entstand das „Beweisfoto“.
Kamminke am Stettiner HaffSo gestärkt bewältigte ich auch die Gegendwindroute über Dargen, Bossin und Neverow bis Zirchow, zum Glück auf fast autofreiem Asphalt. Am Ortseingang von Zirchow beginnt dann der etwa sechs Kilometer lange straßenferne gepflasterte Radweg über Garz bis nach Kamminke, eine der schönsten Strecken der gesamten Tour - durch Wald und Feld, mit weitem Blick zum Stettiner Haff, aber auch mit gewissen Forderungen an das Tretvermögen. Einzigartig dann in Kamminke sowohl der Blick abwärts, der an ein Bergdorf erinnert, und der Hafen im schönsten Sonnenlicht. Hier gönnte ich mir ein Produkt des deutschen Reinheitsgebotes. Nach kurzer Fahrt durch das Dorf Kamminke passierte ich die polnische Grenze an der Brücke über den Torfgraben.

Zurück auf dem Usedomer Küstenradweg

Wer sich einmal ansehen möchte, wie Radwege durch Stadtgebiet geführt und unmissverständlich gekennzeichnet werden, sollte dem polnischen Swinemünde einen Besuch abstatten. Braunrot gefärbte Fahrbahnen mit Fahrradsymbolen in beide Richtungen führten mich durch das Stadtgebiet bis hin zur Promenade. Hier begann dann die dreizehn Kilometer lange grenzüberschreitende Strecke bis zum Bansiner Langenberg. Innerhalb kürzester Zeit wechselte die Umgebung von Natur auf Kurort. Vor allem in den zentralen Abschnitten der vier „Kaiserbäder“ ist trotz Trennung von Fußgängern und Radfahrern höchste Vorsicht geboten.
Deutsch-polnische Grenze auf der Strandpromenade   Promenade im Seebad Bansin auf der Insel Usedom










Die umgekehrte Variante dann am knapp 60 Meter hohen Bansiner Langenberg, bei dessen kurvenreicher Querung auch Mountainbikes zu ihrem Recht kommen würden. Die Abfahrt von dort endete dann direkt am größten Usedomer Zeltplatz von Ückeritz, der sich drei Kilometer lang bis in das Seebad erstreckt. Wer Norddeutschland leichtfertig als Flachland abtut, wird zwischen Ückeritz und Kölpinsee eines besseren belehrt: „Radfahrer absteigen“ heißt es plötzlich, untermauert durch das 16-prozentige Gefälle.
16% Steigung bzw. Gefälle auf dem Fahrradweg zwischen Ückeritz und KölpinseeDie Bank am Kölpinsee im gleichnamigen Seebad lädt zur letzten Rast ein, mit dem Strandhotel Seerose als Orientierung im Blick. Nach Passieren des Streckelsberges in Koserow schloss sich auf dem Deich Richtung Zempin der erste Kreis meiner Tour, allerdings führte die Reststrecke dann mit noch möglichem gemütlichem Tempo über fast steigungsfreies Gelände über Zinnowitz und Trassenheide durch den Küstenwald zurück nach Karlshagen, wo gegen 15.30 Uhr dann das erholsame Bad wartete.

Meinen Tacho verlor ich auf dem unwegsamen Deich zwischen Stagnieß und Pudagla, die Vermessung der Strecke auf der Karte ergab etwa 140 Kilometer – voller neuer Erfahrungen und Erlebnisse.

Text und Fotos © Rainer Höll

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