Hardy Krüger auf Usedom

Hardy Krüger Insel Usedom Hardy Krüger las auf der Insel Usedom aus seinem neuen Buch

Hardy Krüger besuchte die Insel Usedom im Sommer 2009. Im Schloss Stolpe, idyllisch im Usedomer Achterland gelegen, trug Hardy Krüger Geschichten aus seinem Buch vor.

Er bummelte viele Jahre zwischen den ethnischen Welten in der globalen Welt und schrieb zahlreiche Bücher über seine Erlebnisse, über die Menschen, die er traf und die Geschichten die sie ihm erzählten. Seit 31 Jahren wird er begleitet von seiner Ehefrau, die von Beginn an die eindrucksvollen Bilder - Weltbilder, Geschichtsbilder, Menschenbilder, ja Lebensbilder - sieht und mit der Kamera einfängt. Ein Weltstar, gelernter Filmschauspieler, Globetrotter und Buchautor kommt für eine Lesung auf die Sonneninsel Usedom, ein winziges Eiland auf dem großen Globus, den er sein Zuhause nennt oder auf dem er zuhause ist. Das wird meine Frage sein, wenn ich die Chance habe, mit ihm, den Kosmopoliten, zu sprechen.

Eingeladen zu einer Lesung ins Schloss Stolpe hatte Frau Krüger von der Buchhandlung des Ostseeheilbades Ahlbeck, ihren Namensvetter Herrn Krüger, um aus seinem Buch „Die andere Seite der Sonne“ einige Geschichten vortragen zu lassen. Vortragen ist das richtige Wort, denn Lesung wäre zu wenig. Es war ein wohlbedacht inszenierter Vortragsabend, bei dem ein weltoffener und mit 81 Jahren lebenserfahrener Mann in aller Bescheidenheit und mit gebotener Zurückhaltung mit seinen Texten klare politische Botschaften und wertvolle menschliche Werte vermittelte – wider die neue braune Gefahr, für Weltoffenheit und Toleranz.

Wenige Mittel reichten ihm, um seine Geschichten und Eindrücke dem zahlreich erschienen Publikum eindrucksvoll näher zu bringen, eine kleine Bühne, ein Tisch, ein Stuhl, das Licht, der klare und saubere Ton, die wohl präparierten Bücher mit den in größerer Schrift eingeklebten Texten und die sparsame Mimik. Das markanteste ist jedoch seine Stimme, mit der wir sofort den Namen verbinden können, die in Erinnerung bleibt, die eine einmalige Vitalität verrät und Glaubwürdigkeit vermittelt – wahrlich beeindruckend. Seiner Worte Wirkung gewiss.

Ein gut gewählter Ort für die Lesung. Stolpe, mit seinem gemeindeeigenen Schloss, 111 Familien und knapp 550 Seelen. Schloss Stolpe, ein Ort zwischen wechselvoller Vergangenheit und mühevoller Gegenwart, auf dem schwierigen Weg der Revitalisierung und Neugestaltung als geistiges Zentrum für Gemeinde, die benachbarte Stadt Usedom und die gesamte Insel. Die Rekonstruktion eines der ältesten Baudenkmäler der Insel Usedom und die Revitalisierung kulturellen und politischen Lebens bei beständigem Geldmangel ist die hoffnungsvolle Zukunft des ruinierten Schlosses; einstiger Ort mit Wurzeln bekannter Familien wie derer von Schwerin, von Kleist und von Bülow und heutiges Folklorezentrum mit dem agilen Förderverein Schloss Stolpe e.V..

Es ergab sich noch vor der Lesung das gewünschte Gespräch mit dem Autor, ein geborener Deutscher aus Berlin, gelebt in der Welt, und seiner Frau Anita, einer Amerikanerin. Damit hatten die gelesenen Texte noch einen weiteren Aspekt für mich als begeistertem Zuhörer und eröffneten einen weiteren Blickwinkel auf Heimat und Zuhause. Ich fragte den Kosmopoliten: „Was ist für Sie Heimat?“ Seine sofortige und wohlüberlegte Antwort: „Ich unterscheide Heimat und Zuhause. Geboren wurde ich in Berlin, ich wohne in Hamburg und in Kalifornien und zuhause ist dort, wo meine Frau ihre Blumenvase hinstellt.“

Die Jugend definiere Heimat nicht mehr so häufig lokal, sondern über Gerüche, und er ergänzte: „Das ist interessant. Als ich mir mein Haus in den kalifornischen Bergen kaufte, an diesem Tag sah ich es das erste Mal, da roch es wie im Grunewald“.

Heimat ist drinnen, in einem selbst und ich bin zuhause auf Usedom.

Text: Gerald Wetzel

Foto: © Gerald Wetzel

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