Sechs Generationen Gastlichkeit in Koserow

Sechs Generationen Gastlichkeit in Koserow Sechs Generationen Gastlichkeit in Koserow

Sebastian Jeschek aus dem Ostseebad Koserow auf der Insel Usedom stellte uns den folgenden Text zur Verfügung, aus dem die herausragende Rolle seiner Vorfahren für die Entwicklung des Tourismus in Koserow deutlich wird.

Um 1838 kam mein Ur-Ur-Ur-Großvater Hermann Beyer (1816-1874) als Böttchergeselle aus Flensburg nach Coserow (amtlicher Ortsname bis 1903). In den Salzhütten fand er seine erste Arbeitsstelle und half den Fischern beim Einsalzen der Heringe. Er baute die Heringstonnen für die Salzheringe, die nach ganz Deutschland verschickt wurden. Die ersten Badegäste kamen bereits im Jahre 1846 nach Koserow. Es waren ganze Familien, die sich dann für etwa sechs Wochen in den kleinen mit Stroh oder Schilf gedeckten Fachwerkhäusern einquartierten. Hier genossen sie in aller Stille und Abgeschlossenheit die Unberührtheit der Natur abseits von den anderen großen Seebädern der Insel Usedom. Damals in Koserow ein einziges Haus, das irgendwie dem Fremdenverkehr und seinen Wünschen gerecht wurde: Der alte Dorfkrug, den meine Ur-ur-ur-Großeltern betrieben.

Salzhütten KoserowUm 1850 hatte Coserow ca. 270 Einwohner. Erst 1851 gründeten vier Koserower Bürger, darunter auch mein Ur-Ur-Ur-Großvater, Gastwirt Hermann Beyer, eine Badegenossenschaft. Jeder gab 10 Taler zum Kauf von Bauholz, von dem sie gemeinsam in der Nähe der Salzhütten, wo damals der einzige bequeme Zugang zur See war, die ersten Badezellen am Strande errichteten. Eine Sturmflut zerstörte 1857 die erste Seebadeanstalt von Koserow. Daraufhin verloren viele den Mut und die Bade Corporation löste sich auf. Nur der Gastwirt Hermann Beyer wurde nicht mutlos und führte das Badeunternehmen alleine fort. Seinen alten Dorfkrug gestaltete er mit großer Sorgfalt so um, dass er seinen Gästen volle Verpflegung anbieten konnte. Im Oktober 1862 zerstörte ein Brand den alten Dorfkrug. Danach schritt er unverzüglich an den vergrößerten Aufbau seines Unternehmen und errichtete im Jahre 1863 seinen Gasthof neu, den er „Gasthof zur Stadt Vineta“ nannte und der auch Übernachtungen mit Vollpension anbot. Somit kann der betriebsame Hermann Beyer als der eigentliche Begründer des Ostseebades Koserow angesehen werden.

Meine Ur-Ur-Großmutter Cäcilie Beyer (1842-1922), Tochter von Herman Beyer, bewirtete die Badegäste im Hotel. Im Jahre 1870 heiratete sie den Kaufmann Johann Bernstein (1841-1908) aus Hammelstall (heute Trassenheide), der in Koserow ein Geschäft mit einer Heringsbraterei betrieb. Die in Butter gebratenen Heringe wurden in kleinen Holzfässern mit Essig eingesäuert und bis nach Berlin und Leipzig geschickt. Um 1880 war Johann Bernstein Dorfschulze in Koserow.

Meine Urgroßmutter Ottilie Bernstein (1873-1960) heiratete 1908 Ernst Drews (1870-1953) aus Demmin, der ab 1908 als Dünenwart die Strandvogtei in Koserow leitete und für die Instandsetzung und Pflege der Küstenschutzanlagen auf der Insel Usedom von Swinemünde bis Peenemünde tätig war. Er war Augenzeuge der großen Sturmflut am 30./31.12.1913, die verheerende Schäden an der ganzen Ostseeküste anrichtete. Der Sohn von Ernst Drews, mein Großvater Hans Drews (1914-1982) war Uhrmachermeister und betrieb in Koserow ein Uhren- und Schmuckgeschäft. Meine Mutter Martina Jeschek, Tochter von Hans Drews, war u.a. Bürgermeisterin von 1989 bis 1994 und langjährige Kurdirektorin des Ostseebades Koserow.

Backfischking KoserowIm Jahre 2005 eröffnete ich an der Seebrücke meinen Imbissbetrieb „BACKFISCHKING“ und 2006 meinen Laden in der Hauptstraße „IHR KAUFMANN“. Der Neubau des Kiosks an der Seebrücke in Schiffsform entstand im Jahre 2009. Hier können Sie ein frisch zubereitetes Fischbrötchen mit Backfisch oder einen süß-sauer eingelegten Brathering nach Originalrezeptur meiner Ur-Ur-Großeltern in Verbindung mit einem kühlen Bier genießen.

Text und Fotos © Sebastian Jeschek

Foto: © Archiv Jeschek

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