Waldglas-Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum Greifswald

Waldglas-Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum Greifswald
Waldglas-Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum Greifswald
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Das Pommersche Landesmuseum in der Hansestadt Greifswald gehört zu den lohnenswertesten Ausflugszielen in Vorpommern. Auch Feriengäste der Insel Usedom sollten sich dieses außergewöhnliche Museum zur Landesgeschichte Pommerns nicht entgehen lassen. Jetzt wurde die Ausstellung um eine Sammlung von Waldglas erweitert.

Im 17. und 18. Jahrhundert waren Mecklenburg und Pommern bedeutende Zentren der Glasproduktion in Norddeutschland. Ihre Grundlagen waren holzreiche Wälder, die zu Pottasche (Kaliumkarbonat) verbrannt wurden, sowie reiche Quarzsandvorkommen (Siliziumoxide). Wegen der eisenhaltigen Sande wurde überwiegend grünes Glas produziert, das man deshalb und wegen seiner Herkunft aus den Wäldern Waldglas nannte.

Die alten Ägypter stellten vor gut 4.000 Jahren als Erste Glas her. Über den Orient und das römische Imperium gelangten Technik und Fabrikate in die mittelalterlichen Klöster. Unsere Orte Glashagen bei Doberan und Franzburg waren auch solche Klostergründungen mit Glashintergrund. In Pommern begann die Glasherstellung aber erst nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die älteste pommersche Glashütte wurde 1665 in Stolzenburg bei Pasewalk gegründet.

Glasmachen als Wirtschaftsfaktor in Pommern

Die Glasmacher kamen aus Franken, Thüringen und Böhmen über Holstein und Mecklenburg hierher. Im Dreißigjährigen Krieg und den nachfolgenden Kriegen waren weite Landstriche entvölkert und verödet. Die Natur hatte sich kultiviertes Land zurückgeholt. Der Grund besitzende Adel war jedoch an bewirtschafteten Flächen interessiert, die Geld einbrachten, sprich kultiviertes Ackerland. Das wollte man mit der Einrichtung von Ziegeleien und Glashütten erreichen. Beide galten wegen ihres großen Holzbedarfs als „Waldvernichter“.

Für die Herstellung von einem Kilogramm Glas wurde ca. ein Raummeter Holz benötigt. Eine einzige Glashütte verbrauchte jährlich 3.000 bis 5.000 Raummeter Holz für die Herstellung der Pottasche und zum Heizen der Öfen. Das wiederum entsprach einer Fläche von 20 bis 30 Hektar Wald, wovon ca. 85 Prozent allein für die Pottasche verbrannt wurden. Glashütten waren hoch spezialisierte Betriebe mit bis zu 17 Berufsgruppen, denen der Glasmeister als Unternehmer vorstand. Zur Glashütte gehörten aber auch Stellmacher, Drechsler, Schuster, Schneider, Viehhirten und Schnapsbrenner - also ein ganzes Dorf. Bis zum Aufkommen von Steinkohle und Koks als Brennmittel und des Natrons mussten die Glashütten nach Verbrauch der Ressourcen weiter ziehen. So existierten sie meistens nur wenige Jahrzehnte an einem Standort. Unter diesen Bedingungen und um ihr Know-how zu schützen, waren die Glasmacherfamilien eingeschworene Gruppen, die oft auch untereinander heirateten. So bildeten sich ganze Glasmacherdynastien heraus, deren Familiennamen wie Gundlach, Mittelstädt, Kunkel, Hoff, Brauer, Kauffeld, Lippert, Seitz usw. noch heute auf ihre Zunft hinweisen.

Pommersches Waldglas als Exportschlager

Ein Großteil der Glasproduktion ging in den Export nach Holland und von dort sogar nach Portugal und Übersee. Portwein ließ sich in eckigen, dickwandigen Flaschen sehr gut per Schiff in alle Welt transportieren. Der einheimische Markt wurde vor allem mit Fensterglas, Behältnissen aller Art und Apothekergefäßen versorgt. Die erste und letzte pommersche Glashütte bestand von 1665 bis 1929 in Stolzenburg/Stoliec, dem heutigen Ortsteil Glashütte von Rothenklempenow. Um 1900 arbeiteten dort 200 Arbeiter und produzierten sechs Millionen Flaschen für Bier und Selters und 80.000 Weinballons. Sie belieferte 40 Stettiner und vorpommersche Brauereien sowie die Berliner Schultheiß-Brauerei mit Flaschen.

Dem Pommerschen Landesmuseum Greifswald wurde 2015 eine aus 43 Teilen bestehende Kollektion von Waldglasgefäßen von einem Rostocker Unternehmer mit pommerschen Wurzeln geschenkt. Sie besteht aus Flaschen aller Art, Weinballons, Vorratsgläsern, Schüsseln (Satten) verschiedener Größen. Doch neben dem „normalen Geschirr“ und Portweinflaschen befinden sich darin solche seltenen Stücke wie Fliegenfalle, Gluckerflasche, Kutscherglas und Gniedelstein – Sachen, die man heute auf dem Markt nicht mehr findet.

Text: Heiko Wartenberg
Foto © Pommersches Landesmuseum

Datum: 28.01.2016

Deine Meinung

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Kommentar (1)

Waldemar Hoff

(10.05.2017)

My ancestors Hoff, genannt Curia, were glassmakers for the last 500 years. So were the related families of Lippert and Engelhardt (Englard) present in Poland. Waldemar Hoff

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