Unerwartete Reaktion auf Foto in USEDOM exclusiv

Unerwartete Reaktion auf Foto in USEDOM exclusiv
Unerwartete Reaktion auf Foto in USEDOM exclusiv
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In der Sommerausgabe 2014 unseres Magazins USEDOM exclusiv schrieb unser Autor Wolfgang Abraham über die „Interessante rechte Seite von Swinemünde“, auf der ein bisher gesperrtes militärisches Gelände wieder für Besucher zugänglich gemacht wurde. Der Artikel zeigt u. a. ein Foto mit Wehrmachtsangehörigen, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ihren Dienst in Swinemünde versahen. Auf dieses Foto erhielten wir eine unerwartete, aber sehr interessante Reaktion.

Der Anruf kam an einem Montag im August. Eine ältere Dame stellte sich als Luise Klander aus Isernhagen bei Hannover vor und informierte mich mit fester Stimme darüber, dass sie ihren Ehemann in unserem Magazin gefunden hätte. „In Swinemünde“, setzte sie dann hinzu. Langsam begriff ich, dass es um unseren Artikel in der Sommerausgabe über die interessante „rechte Seite“ von Swinemünde und die erst kurze Zeit zugängliche weitläufige Bunkeranlage ging. Eines der Fotos zeigt eine Gruppe von Wehrmachtssoldaten in der Freizeit.

„Meine Tochter hatte während unseres Urlaubs in Karlshagen Ihr Magazin in der Hand und rief spontan aus: das ist doch Papa!“ Er ist auf dem Foto in der hinteren Reihe der vierte von links mit Käppi. In einem erneuten Telefonat berichtete Luise Klander aus ihrem Leben – und dem ihres vor zwei Jahren verstorbenen Ehemannes Martin. Diese interessante Geschichte wollen wir hier wiedergeben, auch mit dem Hintergrund, dass Frau Klander immer auf der Suche nach Bekannten aus ihrer Heimat ist.

Martin und Luise Klander, geb. Glasenapp, stammen aus dem pommerschen Dramburg, heute Drawsko Pomorskie in Polen. Der 1928 geborene Martin kannte seine ein Jahr jüngere spätere Frau schon als Kind, denn die Eltern beider waren Lehrer an örtlichen Schulen. Am 25. Januar 1944, dieses Datum hatte sich ihr wohl fest eingeprägt, wurde Martin Klander zur Wehrmacht eingezogen und kam als Marinehelfer nach Ostswine. Nach ihrer Erinnerung war er dort als Richtkanonier tätig. Das trifft sich mit der Geschichte des Bunkers, der Teil einer Marineartillerieschule war. In jener Zeit muss also das Foto entstanden sein. Das war aber nicht die letzte Station von Martin Klander während des Krieges, denn er wurde im Anschluss zum Reichsarbeitsdienst nach Grevesmühlen in Mecklenburg versetzt. Von dort geriet er in britische Kriegsgefangenschaft in ein Lager in Schleswig-Holstein. Als Kriegsgefangener gelang es ihm, seine Tante in Braunschweig zu finden und eine Besuchserlaubnis zu erhalten. Die Tante meldete ihn kurzerhand an einer Schule in Braunschweig an, und mit dieser Tatsache im Hintergrund wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Martin Klander beendete die Schule in Braunschweig mit dem Abitur, studierte dort und wurde Lehrer an der Grund- und Hauptschule in Neuwarmbüchen bei Hannover.

Luise Klander kam während des Krieges als Krankenschwester nach Gelbensande bei Rostock und fand dann nach dem Krieg ihren Schulfreund wieder.

Interessant ist auch, dass der Vater von Luise Klander, Erich Glasenapp, an der Kirche von Benz auf Usedom beigesetzt ist. Schon vor 1989 war seine Tochter dort, um das Grab zu suchen. Lange Zeit war es jedoch anonym, erst nach 1990 wurde eine Erinnerungstafel bei den Gräbern der Wehrmachtssoldaten aufgestellt. Die Familie hatte dieses Jahr über die heimische Jugendkirche Kontakt zur Evangelischen Kirchengemeinde in Benz. Dadurch schließt sich – unerwartet – ein historischer Kreis.

Wehr machtsangehörige in Swinemünde, Foto © Bunker Fort GerhardaLuise Klander und ihre Tochter Regine Klander-Strauß stehen für weitere Informationen zur Verfügung, sind aber auch ihrerseits daran interessiert, vom Verbleib ehemaliger Bekannter zu erfahren. Bitte schreiben Sie uns an info@nordlichtverlag.de. Wir werden gern den Kontakt zu Frau Klander herstellen.

Zur Vergrößerung klicken Sie bitte das Foto links an.
 

Wie das Foto in den Bunker kam

Unser Autor Wolfgang Abraham erfuhr von Piotr Piwowarczyk, dem Betreiber der Bunkeranlage auch, wie das Foto in seine Hände kam. Vor Jahren hatte er ein ganzes Fotoalbum eines ehemaligen Wehrmachtsangehörigen auf einer Auktion im Westen Deutschlands ersteigert. In diesem Fotoalbum befand sich das besagte Foto. Es war das einzige, was in der ehemaligen Bunkeranlage aufgenommen war. Den Namen des ehemaligen Besitzers des Fotoalbums kennt Piotr Piwowarczyk nicht mehr, er weiß nur noch, dass dieser während seiner gesamten Militärzeit in Swinemünde stationiert war.

Text: Rainer Höll
Foto © Bunker Fort Gerharda

Datum: 15.09.2014

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