Jetzt soll Sylt auch nach Bansin kommen – eine Polemik

Jetzt soll Sylt auch nach Bansin kommen – eine Polemik
Jetzt soll Sylt auch nach Bansin kommen – eine Polemik
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Das ist im mehrfachen Sinne gemeint. Die Vornehmheit ist für einige bereits da, an der Bekanntheit hapert es noch etwas. Dann gibt es einen auf Sylt gegründetes Fischrestaurant, das auch an der Ostsee immer mehr Standorte belegt.
Alles das summiert sich in einem aktuellen Problem in Bansin, dem Seebad mit der schönsten „Straße der Bäderarchitektur“ in Deutschland, der Bergstraße, die nur einige Meter vom „Problem“ entfernt beginnt.
Unser Autor Fritz Spalink, langjähriger Vorsitzender der Historischen Gesellschaft zu Seebad Heringsdorf und Kämpfer für den Erhalt denkmalgeschützter Gebäude formulierte folgende Zeilen, die redaktionell und aus Platzgründen gekürzt sind.

Die Bergstraße in Bansin wird unseren Besuchern als schönstes zusammenhängendes Ensemble von Bäderarchitektur präsentiert. Nach der Wende unterwarfen sich die Bewohner dem Gemeinnutz, ließen sich ins Binnenland umsetzen und machten unsere gute Stube in der ersten und zweiten Reihe für zahlende Gäste frei. Gesetze machten dabei für Investoren „den Weg frei“. In Bansin passierte es leider mehrfach, dass die Wahl von Investoren „inne Büx“ ging, und auf diese Weise edle Promenaden-Parkplätze, eine vor kurzem warm abgebrochene Mühle und am Strandaufgang an der Seestraße zwei verwahrloste Investorendenkmäler Namens „Emma“ und „Aegir“ zu bewundern sind.
Nun soll der Sylter Superfischfranchiser ein Selbstbedienungsrestaurant in Bansin aufmachen. Damit sich das aber dann rechnet, sollen da auch noch 28 Ferienwohnungen in der ersten Reihe entstehen.

Die Villen Emma und Aegir und der Denkmalschutz

Villa „Aegir“ wurde 1900, die „Emma“ 1904 erbaut. Letztere ist architektonisch besonders wertvoll durch die umlaufenden Balkons, die wir ansonsten nur noch an einem Haus in Ahlbeck finden. Dem vorletzten Eigentümer wurden die noch vorhandenen Gebäude „Emma“ und „Aegir“ mit der Auflage verkauft, innerhalb der folgenden fünf Jahre nach den Vorgaben des Denkmalschutzes eine Rekonstruktion durchzuführen. Es geschah jedoch nichts.
Nun wurden beide Objekte erneut verkauft. Und es bildete sich eine unheilige Allianz, die glaubt, sich kraft wirtschaftlicher Macht und politischen Einflusses über bestehende Rechtsgüter hinweg setzen zu dürfen. Es begann damit, dass im Frühjahr dieses Jahres der ehemalige Wirtschaftsminister Otto Ebnet bei der Landrätin die Streichung des Denkmalschutzes für beide Häuser anregte. Die untere Denkmalschutzbehörde lehnte die Aufhebung des Schutzstatus ab. Auch eine Intervention des Landesdenkmalpflegers änderte an dieser Einstellung nichts. Dessen Mitarbeiterin kam vor Ort zu dem Schluss, dass die „Villa Emma“ in jedem Fall schutzwürdig, „Aegir“ jedoch nicht mehr sanierfähig und -würdig sei. Dies wurde auch dem neuen Besitzer der Objekte mitgeteilt und zunächst widerspruchslos angenommen. Jetzt schalteten sich die Staatskanzlei und das Wirtschaftsministerium ein: der Druck auf die Anklamer Denkmalschützer wurde verstärkt. Schließlich mit Erfolg: Die Behörde wurde gezwungen, den Denkmalschutz aufzuheben.

Wozu noch Denkmalschutz?

Die „entdenkmalten“ Häuser könnten abgerissen werden. Mehrfach wurde die Landrätin von der Historischen Gesellschaft zu Heringsdorf um eine Stellungnahme gebeten. Jedoch vergeblich. Und wozu das Ganze? Der Fischkönig von Sylt will seine dritte Filiale in M-V eröffnen. Nach der Eröffnung könnte er - wie in Binz - sagen: „Die Lage wie hier in Bansin gibt es in Deutschland kaum noch einmal“. Im Gegenzug müsste er sich vorwerfen lassen, auch in Bansin den Denkmalschutz besiegt zu haben.
Die Originalbaupläne von 1900 und 1904 stehen - soweit bekannt - nicht mehr zur Verfügung. Inwieweit hiesige Partner vom Netzwerk partizipieren, bleibt abzuwarten. Es gab mal einen Häuptling, der sinngemäß gesagt haben soll: Wenn auch das letzte Denkmal geschleift, die letzte Erinnerung an unsere Vorfahren getilgt wurde, wird auch der letzte erkennen, dass man zwar geschichtslos leben, aber Geld nicht essen kann.
Es bleibt die Frage, ob es in unserer Gesellschaft nicht mehr möglich ist, gesetzlich vorgeschriebene Entscheidungsprozeduren einzuhalten und öffentliche und die Rechte anderer als von vornherein für einen selbst nicht für verbindlich zu erachten.

Text: Fritz Spalink

Foto: © Archiv Fritz Spalink

Datum: 30.11.2013

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Kommentar (3)

Heinze


5 von 5

(21.08.2013)

Genau so ist's, leider - und um die Zukunft dieser See(Kaiser)-Bäder wird auch mir bange! Die große schweigende Mehrheit bezügl. dieser Entwicklung stimmt mich sehr nachdenklich. Man sägt an allen Ästen......

Timbo

(08.10.2013)

Wieso wird keine Facebook Initiative gegründet? Wenn es die neuen Medien gibt, dann sollte die Hist. Gesellschaft diese nutzen, um ein Stück Bansin zu retten. Die Investoren sind da sehr zeitgemäß aufgestellt; also rann an das facebook :-) Schließlich wäre es schade, wenn Bansin endet mit einem Beinamen wie Hamburg: Freie und Abriss-Stadt Hamburg...

steffi

(22.01.2014)

Ich habe den link auf facebook geteil. Hoffe das ist ok. Ich finde es nur noch traurig.

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