Nachlese: Usedomer Musikfestival 2009

Usedomer Musikfestival Insel Usedom
Nachlese: Usedomer Musikfestival 2009
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Das Usedomer Musikfestival lockt jeden Herbst tausende Musikfreunde auf die Insel Usedom. Das Usedomer Musikfestival, das vor über einem Jahrzehnt als kleines regionales Festival begann, ist eine Erfolgsgeschichte par excellence. In diesem Jahr konnte Kulturliebhaber zwischen 41 Veranstaltungen - Konzerte und Lesungen – wählen.

Sich wiederholen zu müssen, kann belastend sein; sich wiederholen zu dürfen aber kann richtig Freude machen. Beispiel: Usedomer Musikfestival. Attraktive Themen, spannende Programme, hohe Qualitätsstandards – wer könnte da schon keine Wiederholungen wünschen! Und so war denn auch der 16. Jahrgang dieses Festes ein weiteres Stück jener Erfolgsgeschichte, die zudem mit regionaler Akzeptanz und der Treue eines mittlerweile aus ganz Deutschland kommenden Publikums erfolgreich finanziellen Zwängen getrotzt und populistischen Zugeständnissen widerstanden hat.

In Zahlen ausgedrückt lautet die Bilanz: 41 Veranstaltungen, davon 33 Konzerte (23 ausverkauft), Besucherrekord mit 12.450 Besuchern, eine Auslastung von 95%, Beteiligung von rund 400 Künstlern. Für internationale Verbreitung sorgten viele Aufnahmen des NDR und von DeutschlandRadio Kultur (Konzertübertragungen in vier Kontinente). Ansonsten folgte die Festivalstruktur dem bewährten Muster eines sehr farbigen, abwechslungsreichen Angebots. Es bezog seine unverminderte Anziehungskraft erneut aus klein besetzten Programmen in der oft geradezu vertraut-heimeligen, ja familiären Atmosphäre insularer ländlicher Idyllik, lebte aber natürlich auch vom Kontrast mit der großen Öffentlichkeit bei großen musikalischen Formen und in den großen Sälen.

Und es lebte von einem Thema, das manche Überraschung bereithielt: „Preußens Glanz... eine musikalische Spurensuche“. Da war natürlich Mendelssohn vielfach gefragt, aber es gab auch überraschend starke Musik der Schwester Fanny Hensel, Kompositionen Johann Sebastian Bachs, Carl Loewes und seiner Schülerin Emilie Mayer, Musik von Johann Friedrich Reichardt, E. T. A. Hoffmann und Hermann Goetz und – besonders beeindruckend – von Prinz Louis Ferdinand von Preußen. Natürlich fehlte auch der Berliner Hof König Friedrichs II. nicht, Musik also von Carl Heinrich Graun, Georg Anton Benda, Carl Philipp Emanuel Bach und vom Preußenkönig selbst. Dazu gab es zwischen der klassischen Berliner Operette (Lincke, Lehár) über Beethoven, Brahms und Spohr bis zu Paul Hindemith, Ferruccio Busoni, Kurt Weill, Franz Schreker, Arnold Schönberg und anderen jede Menge großer Meister, die in irgendeiner Beziehung zu Preußen gestanden haben.

Und es gab ganz neue Musik des diesjährigen composer in residence: Anatolijus Senderovas (Litauen). Insofern hat das Programm sicher nicht wenigen Besuchern auch musikhistorisch viel Neues, Erhellendes vermittelt - vom Kunstgenuss ganz zu schweigen! Und den garantierten wieder vorzügliche Solisten und Ensembles. Herausragend etwa das Baltic Youth Philharmonic unter Kristjan Järvi – eine Neugründung (2008) von Festival und Nord Stream AG - oder das NDR Sinfonieorchester unter Christoph Eschenbach – beide in Peenemünde. Faszinierend aber auch Lieddarbietungen (Konstantin Wolff, Carolina Ullrich, Miriam Sharoni, Roman Trekel) und Kammermusiken mit den Kursteilnehmern des von David Geringas geleiteten „Ostsee-Musikforums“ in Stolpe, dem Trio Parnassus, der Pianistin Lauma Skride, dem Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen, dem Hoffmeister-Quartett, dem Kaliningrader Klaviertrio, dem Almandin- und dem Art-Vio-Quartett, der Polnischen Kammerphilharmonie unter Wojciech Rajski, der Kammerakademie Potsdam und Preußens Hofmusik – unmöglich, alle weiteren Mitwirkenden einzeln zu benennen.

Nur erwähnt seien noch die Schauspieler Gudrun Landgrebe und Ingo Naujoks, eine Swingformation, Mitglieder der Berliner Philharmoniker, der Kritiker-“Pabst“ Joachim Kaiser, ein Chor aus Gumbinnen, Kinder einer Schulopernaufführung („Die Nachtigall“ von Burkhard Meier), Schüler (Jugend Musiziert) und Studenten (Hamburg). Wer hier durchhielt, hat viel Stoff zum Erinnern. Er kann wohl auch die Hoffnung haben, dass eine langjährig hart erarbeitete Stabilität Grundlage auch für weitere erfolgreiche Jahre dieses Musikfestes sein dürfte.

Text: Ekkehard Ochs, Universitätsmusikdirektor i.R.

Foto: © Geert Maciejewski

Datum: 23.12.2009

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