Otto-Lilienthal-Museum Anklam

Ausflugsziele Usedom
Otto-Lilienthal-Museum Anklam
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Das Otto-Lilienthal-Museum in Anklam ist eines der beliebtesten Ausflugsziele in Vorpommern und von der Insel Usedom sehr gut zu erreichen. Das Lilienthal-Museum gibt einen Überblick über das Wirken des „Vaters der Fliegerei“. Otto Lilienthal, in der Hansestadt Anklam geboren, beobachte Störche und untersuchte den Segelflug dieser imposanten Vögel. Seine Forschungsergebnisse ließ er in den Bau von Gleitfliegern einfließen, die er persönlich bei Berlin testete und somit zum ersten „fliegenden“ Menschen wurde. Einige Modelle dieser Gleitflieger sind im Otto-Lilienthal-Museum in Anklam zu betrachten.

Wer einen „Extrementhusiasten“ unter den Museumsdirektoren sucht, sollte unbedingt nach Anklam fahren. Die Hartnäckigkeit und Findigkeit, mit der Dr. Bernd Lukasch nach Exponaten zur Geschichte der Luftfahrt jagt, ist kaum zu überbieten und ein Segen für die Stadt. Ein Gespräch mit ihm über das Museum sollte nicht unter Zeitdruck des Interviewers stattfinden, wie der Autor selbst bestätigen kann.

Ständig von neuen Ideen „geplagt“, sucht er nach Wegen, die Vielzahl der vorhandenen Exponate präsentieren zu können und möglichste viele neue nach Anklam zu holen. Dabei versteht er es geschickt, auch benachbarte Technikzweige mit einzubeziehen und im Museum oder anderswo der Öffentlichkeit zu erschließen.

Ein Beispiel ist die Sonderausstellung des Museums über den Lilienthal-Fotografen Ottomar Anschütz. Dazu lassen wir Dr. Lukasch im folgenden Text selbst zu Wort kommen.

Lilienthal und die Fotografie
„Können Sie das gebrauchen? Ich würde es Ihnen überlassen!“ Mit einem so oder ähnlich vorgetragenen freundlichen Angebot sieht sich das dankbare Museumspersonal häufig konfrontiert und schon manches interessante Stück hat auf diesem Wege seinen Platz in der Sammlung gefunden.

Im Otto-Lilienthal-Museum stellte diese Frage vor einigen Jahren Frau Arens-Kröger, Enkelin Otto Lilienthals aus Itzehoe, mit der Besonderheit, dass es ihrem Gegenüber die Sprache verschlug. Auf dem Tisch des Museum lag die flugtechnische Fotosammlung ihrs Großvaters, von deren Existenz das Museum bis dahin nichts gewusst hatte. Seit über 100 Jahren werden Dokumente zu Leben und Werk Lilienthals akribisch gesammelt, das Deutsche Museum nennt seine Bestände „angereicherter Teilnachlass“, 1991 veröffentlicht (Otto Lilienthal, 1991), der flugtechnische Briefwechsel wurde 1993 im Anklamer Museum geschlossen publiziert (Otto Lilienthals flugtechnische Korrespondenz, 1993) und nur wenige Stücke sind seitdem hinzu gekommen.

Die bekannten Fotografien werden in verschiedenen Archiven bewahrt, darunter in Moskau und Washington. Zahlreiche wurden bereits vor über 100 Jahren mit der zeitgenössischen Berichterstattung in vielen Ländern publiziert, einige kennen wir nur aus diesen Veröffentlichungen. Den Fotografien verdanken wir heute einen großen Teil unseres Wissens über Lilienthals Flugtechnik, sind doch von seinen mindestens neun verschiedenen Flugzeugkonstruktionen weltweit nur zwei erhalten. Alle anderen sind nur aus den Fotografien, Zeichnungen oder aus seiner Korrespondenz bekannt. Die Existenz zahlreicher, damals so genannter Moment- oder Augenblicksfotografien von Lilienthals Flügen ist allerdings eine Sensation, war die Möglichkeit mit kurzen Belichtungszeiten bewegte Szenen abzubilden doch gerade erst entstanden als Lilienthal seine Flugversuche unternahm.

Wir kennen heute, nach Auswertung der übergebenen Sammlung, 137 Momentfotografien, die während der Flugversuche Lilienthals in den Jahren 1891 bis 1896 aufgenommen wurden.

Kameras von Ottomar AnschützLilienthal-Fotograf Ottomar Anschütz
Es war ein Glücksfall, das zeitliche und örtliche Zusammentreffen zweier Pionierleistungen: die ersten freien Flüge eines Menschen und die Möglichkeit ihrer fotografischen Dokumentation. Und es gibt noch eine zweite, vielleicht ursächliche Verbindung zwischen Ottomar Anschütz, dem bedeutendsten der Lilienthal-Fotografen und Erfinder des für die Augenblicksfotografie entscheidenden Schlitzverschlusses, und Lilienthal: Für beide ist der Weißstorch Motiv und Studienobjekt. Vermutlich waren es die publizierten und in Berlin ausgestellten Storchen-Fotografien, die Lilienthal auf Anschütz aufmerksam werden ließen. Otto Lilienthal sah gerade im Flug des Weißstorchs auf Grund seiner Größe und seiner Fähigkeit zum Gleitflug sein bevorzugtes Studienobjekt.

1884 hatte Anschütz Störche im Flug fotografiert. „Nach dem Leben aufgenommen von Ottomar Anschütz: Lissa i. P. gesetzlich geschützt“ heißt es seitdem auf jedem Schmuckkarton, auf den der Fotograf seine gestochen scharfen Albumin-Abzüge montierte…

Mehrere Jahre hat Anschütz den technischen Hintergrund der bemerkenswerten Leistungsfähigkeit seiner Kamera geheim gehalten. Erst 1890 produzierte die Berliner Firma Optische Anstalt C. P. Goerz die Goerz-Anschütz-Moment-Camera exklusiv mit dem inzwischen patentierten Jalousieverschluss. 1893 fotografierte Anschütz damit Lilienthal im Flug.

Text: Dr. Bernd Lukasch / Karin Höll

Foto: © Lilienthal-Museum Anklam

Datum: 23.12.2009

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