St. Petri Wolgast Denkmal nationaler Bedeutung
Die Wolgaster Kirche St. Petri begrüßt die Feriengäste, die auf der B111 durch Wolgast den Weg zur Insel Usedom finden, mit ihrem imposanten Backsteinturm schon von weitem. Seit kurzem ist St. Petri in Wolgast ein Denkmal von nationaler Bedeutung. Dieses Prädikat ist nicht willkürlich gewählt, sondern sozusagen „amtlich“, wie mich Pastor Jürgen Hanke im Gespräch informierte. Damit ist jedoch eine zusätzliche staatliche Förderung verbunden, die eben dieser Bedeutung geschuldet ist. Die Besonderheit der Wolgaster Kirche liegt darin, dass sie keine gewöhnliche Gemeindekirche, sondern die Hofkirche der Wolgaster Herzöge war, als solche konzipiert und gebaut wurde. Aus eben diesem Grunde wurde sie auch die Grablege des Herzogshauses Pommern-Wolgast. Die sieben erhaltenen Sarkophage von Mitgliedern des Herzogshauses wurden bis 2007 restauriert und konnten 2010 mit dem höchsten Preis der europäischen Denkmalpflege, dem EUROPA NOSTRA AWARD, ausgezeichnet werden (siehe USEDOM exclusiv 3/2010). Sie sind in der Kirche zu besichtigen.
Diese Tatsache ermutigte die Wolgaster Kirchengemeinde, sich um die Förderung der gesamten Kirche durch die Denkmalschutzbehörden zu bemühen. Mit Unterstützung der Pommerschen Evangelischen Kirche (PEK) als Unterer Denkmalschutzbehörde sowie dem Landesamt für Denkmalschutz Mecklenburg-Vorpommern wurde ein entsprechender Antrag an die Bundesbehörden gestellt - und in diesem Jahr bestätigt. Mit dem Förder-Antrag mussten konkrete Vorhaben benannt werden, für die in den kommenden Jahren die Fördermittel verwendet werden. Die Förderperiode erstreckt sich über zehn Jahre, so dass es umfangreicher Überlegungen auch zur künftigen Ausrichtung der Kirche bedurfte. Der Renovierungsstau war mittlerweile so groß, dass auch Prinzipfragen in der Gemeinde diskutiert und entschieden wurden. Die Kirche St. Petri soll als Gotteshaus erhalten werden, gleichzeitig aber für Konzerte nutzbar und auch für den Besucherverkehr eingerichtet sein.
Zunächst wird in der Kirche das Turmdach komplett erneuert, die Südkapelle saniert, die Nordkapelle umgestaltet sowie als aufwändigstes und langwierigstes Projekt das Gewölbe analysiert und saniert, wobei auch nach verborgenen Wandmalereien gesucht wird. Ebenfalls geplant ist die Einrichtung eines festen Shops und eventuell die Verlegung der Orgel in die Nordkapelle. Aus bautechnischen Gründen, auch anhand der Erfahrungen mit Greifswalder Kirchen, entschied sich die Gemeinde gegen eine Heizung im Winter. Die Kirche wird im Winter zwar zu besichtigen sein, die Gottesdienste finden jedoch in der (heizbaren) Kapelle St. Jürgen statt.
Mit der jährlichen Gesamtförderung von 200.000 Euro können anspruchsvolle Aufgaben gelöst werden, eine davon besteht jedoch darin, den Eigenanteil der Gemeinde von jährlich 60.000 Euro einzuwerben. Das soll aus verschiedenen Quellen, wie PEK, Förderverein und mehreren Stiftungen geschehen. Die Gemeinde möchte diese Gelegenheit nutzen, die zahlreichen Besucher der Kirche zu Spenden für die künftige Sanierung der Kirche aufzurufen.
Die Kirche St. Petri ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der ereignisreichen Geschichte Wolgasts, dessen vielfältige Facetten in den vier Standorten des Museums der Stadt Wolgast präsentiert sind: im Museum „Kaffeemühle“, im Rungehaus, dem Geburtshaus des Malers Philipp Otto Runge, dem Museumsschiff an der Schlossinsel sowie der Kapelle St. Gertrud.
Text: Rainer Höll, Foto © Karin Höll
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