Mode-Trends Winter 2009
Modenschau auf der Insel Usedom

Mode-Trends Winter 2009

Die Ostsee-Insel Usedom hat sich in den letzten Jahren zur ausgesprochenen Mode-Insel gemausert. Am 23. und 24. Oktober 2009 findet auf der Insel Usedom wieder der Baltic Fashion Award statt. Für unseren Autor Kurt Geisler ein Grund, sich bei den Trends der aktuellen Winter-Mode 2009 umzuschauen.

Die Dame zwischen Glamour und Coolness
Eine relativ schlichte Grundlinie bestimmt die Mode-Trends der Wintersaison 2009. Wertigkeit und Klassik sind die Basis, um raffinierte Einfälle aufzufangen. „Von düster bis heiter“, lautet die Beschreibung, die einerseits schwarze Ton-in-Ton-Outfits von Kopf bis Fuß meint, andererseits Farbzusammenstellungen in gekonnten Nuancen.

Da spricht man gern von modernen Amazonen, die in voluminösen Mänteln auftauchen, gerüschte Blusen tragen und Kleider bevorzugen, die wie Skulpturen aussehen. Man sieht betonte Schultern, schmale Hosen und oft Stiefel, die übers Knie reichen. Ein gewisser Rückblick auf die Achtziger ist erkennbar, jedoch eine ungebundene Vielfalt nach dem Motto: Leg mich nicht fest.

Fast alles ist erlaubt, erlaubt sich die Mode. Zwischen Romantik und cooler Strenge, zwischen Eleganz und Second Hand-Look wird gespielt und möglichst noch alles miteinander gemischt. Die Auswahl ist groß. Man spürt ungeachtet der Wirtschaftskrise einen Spaß an der Mode. Trotzreaktion der Kreativen?

Die kommende kältere Saison zeigt sehr schöne natürliche Farben. Der Herbst in der Natur ist bunt, die Mode jedoch kommt in gedeckteren Tönen als zuvor. Beim Kombinieren sollte alles Ton in Ton sein. Schöne Braun-, Grau- und Weißtöne sowie Monochrom sind angesagt. Und Neopren-Stoffe. Sie sehen futuristisch aus und sind echte trendige Neuheiten aus der Fantasie der Designer, zugleich formstabil und wetterfest. Kombiniert mit edlen Materialien á la Cashmere, Mohair, Angora oder Seiden, entsteht ein wirklich neues Modebild. Die Materialien werden zu weichen fließenden Schnitten verarbeitet.

Weiterhin Oversized-Sakkos wie bei Männern, weiße Hemden und überweite Hosen. Natürlich sind hier auch Bundfaltenmodelle, Cargo-Hosen, Hosen im Marlene-Stil, Röhrenjeans oder die schmal geschnittene Zigarettenform mit Bügelfalte en vogue. Auch Jodpurhosen sind ein Thema, oben am Bund etwas weiter, mit hoher Taille und nach unten schmaler verlaufend. Als absolutes Must-Have sind Norweger-Pullover in verschiedenen Variationen und Mustern. Schuhe und Stiefel haben einen leichten Absatz. Knöchel hohe Schuhe zeigen eine Knopfleiste auf der Seite, mit der man sie öffnet und schließt, statt mit Schnallen auch mit großen Knöpfen. Die sportlichen Turnschuhe sind ebenfalls Knöchel hoch und vorwiegend mit Klettverschluss geschlossen.

Der moderne Dandy lässt grüssen
In einer Wirtschaftskrise reagiert der Verbraucher bewusster, achtet mehr noch als bisher auf das Preis/Leistungs-Verhältnis beim Einkauf. Darauf reagiert die Mode. Die Trends für den kommenden Winter zeigen eine veränderte Auffassung: Das Erscheinungsbild des Mannes gleicht eher einem gutbürgerlichen Biedermann denn dem eines ausgeflippten Jünglings. Die Mode ist weniger aggressiv und weniger jung und verzichtet auf offensichtliche Übertreibungen. Sie konzentriert sich auf wertvolle Stoffe, wie Seide, Cashmere, feine Wolle, Tweed, Glencheck, Flanell und Baumwollsatin sowie Samt und Cord. Alles in sorgfältiger schneidergemäßer Verarbeitung.

Der Anzug oder Sakko erscheint manchmal im Großvater-Look, mit voluminösen Revers und geknöpfter Weste. Da ist sogar vom modernen Dandy-Look die Rede. Rückbesinnung?

Handwerkliche Perfektion, beste Qualitäten, perfekte Passform und höchster Tragekomfort sind unabdingbarer Anspruch. Andererseits sind gewollte „Brüche“ zu verzeichnen: raffinierte Zusammenstellungen verschiedener Stoffe, Dessinierungen und Farben, ein Mix edler Qualitäten aus clean mit angeraut, großen Karo-Checks mit Kleinmustern oder aktuelle Beerentöne mit dem Traditions-Grau. Die aufgelockerte Anzugmode und die wieder mehr korrekte Sportswear gestatten dem Verbraucher viele Kombinationen.

Bevorzugte Farben: Grau-Nuancen, wie Aluminium, Zink oder Stahl sowie Offiziersblau – und, ähnlich der Damenmode, warme Beerentöne. Häufig sieht man Karos, Tartan, Blackwatch, Vichykaros.

Erwähnenswert: Freizeitmode wird luxuriös, Jeans auch in Schwarz oder Schlammfarben. Bei Sakkos und Jacketts gibt es abknöpfbare Westen, auch per Reißverschluss zu trennen, so dass Mann einmal korrekt, ein andermal lässig erscheint.

Die Sakkos sind manchmal ohne Futter und Schultereinlage, super softig, super leicht, und haben innen „Tresortaschen“ mit Reißverschluss. Eine Art Krisenanzug?

Text: Kurt Geisler

Foto: © nordlicht verlag


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