DGzRS – Die Seenotretter: 150 Jahre im Dienst für den Menschen

DGzRS – Die Seenotretter: 150 Jahre im Dienst für den Menschen Das Pferdegespann zieht Rettungsboot und Mannschaft möglichst weit in die See

Mit der DGzRS verbindet mich eine frühe Kindheitserinnerung. Im Braunschweiger Land fern des Meeres aufwachsend, besuchten wir mehrmals im Jahr meine Großmutter in Lübeck. Ausflüge mit den damals Ende der 70er Jahre noch verkehrenden Butterschiffen ab Travemünde waren obligatorisches Beiwerk jedes Besuchs. Es verging keine Fahrt, auf der nicht ein Mannschaftsmitglied mit einem kleinen Blechschiffchen durch die Gänge kam. Meine wichtige und Freude bringende Aufgabe bei dieser Prozedur war das Versenken aller im Portemonnaie von Mutter und Oma befindlicher Groschen im Schlitz dieses kleinen Bootes. Die Bezeichnung „DGzRS“ konnte ich als Leseanfängerin zwar entziffern, die Bedeutung der Buchstaben blieb mir aber verborgen. Die Aussage meiner Mutter „Die holen dich aus dem Wasser, wenn du in die Ostsee fällst“ prägte sich mir allerdings ein. Bis heute.
Hinter dieser Buchstabenfolge verbirgt sich die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, oder kurz: die Seenotretter. Die Gesellschaft wurde offiziell 1865 gegründet, feiert folglich in diesem Jahr ihr 150. Bestehen.

Die Anfänge der Seenotrettung

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren Seeleute auf sich allein gestellt, wenn sie in Seenot gerieten. Auf offener See mussten sie sich meist in ihr Schicksal fügen, doch auch bei Strandungen in Küstennähe gab es oftmals keine Möglichkeit zu helfen. Im Gegenteil vereitelte das geltende Strandrecht Hilfsmaßnahmen sogar, denn angestrandetes Gut war für die Küstenbewohner, vor allem der vorgelagerten Nordseeinseln, eine lukrative Einnahmequelle. Immerhin gerieten vor den deutschen Nordseeinseln jedes Jahr rund 50 Schiffe in Seenot.
Mit Raketenapparaten wurden Leinen zu den gestrandeten Schiffen geschossenIm Herbst 1854 lief vor Spiekeroog das Auswandererschiff JOHANNE während seiner Jungfernfahrt auf Grund und sank. 84 Menschen ließen ihr Leben. Sechs Jahre später ereilte die englische Brigg ALLIANCE das gleiche Schicksal am Borkumriff. Im Zuge dieser Ereignisse sensibilisierten Adolph Bermpohl und Carl Kuhlmay aus Vegesack die Öffentlichkeit mithilfe örtlicher Tageszeitungen für die problematische Rettung Schiffbrüchiger aus Seenot. Ein Jahr später gründete in Emden Georg Breusing den ersten deutschen Regionalverein zur Rettung Schiffbrüchiger, weitere Vereine folgten entlang der Küste.
Der Bremer Redakteur Dr. Arwed Emminghaus setzte sich für den Zusammenschluss der Regionalvereine ein, so dass am 29. Mai 1865 in Kiel die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) aus der Taufe gehoben wurde. Sitz der Gesellschaft ist bis heute Bremen.

Die Rettungsstationen

Anfangs waren die Rettungsstationen mit Raketenapparaten ausgestattet, die Leinen zu den gestrandeten Schiffen schossen und die Seeleute per Hosenbojen retteten. Die offenen Ruderboote wurden mit Pferden möglichst tief ins Wasser gezogen, bevor die acht bis zehn Mann zählende Besatzung per Muskelkraft bei oft widrigen Wetterverhältnissen versuchte, zu den Schiffbrüchigen zu gelangen. Korkwesten garantierten ein gewisses Maß an Auftrieb.
Bis 1910 entstand ein durchgängiges Netz mit 129 Rettungsstationen von Borkum bis Ostpreußen. Ein Jahr später wurden die ersten Rettungsboote mit Benzinmotoren ausgestattet. Nach dem Ersten Weltkrieg folgte die Umstellung auf dieselbetriebene Rettungsboote mit geschlossenem Deck, die besseren Schutz vor dem Wetter boten. Im Zweiten Weltkrieg war die DGzRS unter dem Schutz der Genfer Konvention getreu ihrem Grundsatz, dass der Mensch im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht, für Schiffbrüchige aller Nationen im Einsatz. Ab 1945 setzte die Gesellschaft ihre Arbeit in der Deutschen Bucht und der westlichen Ostsee fort. Der Seenotrettungsdienst der DDR war staatlich organisiert.
1957 wurde mit der THEODOR HEUSS der erste Seenotkreuzer in Dienst gestellt. Die Bauweise sorgte für vielseitige Einsatzmöglichkeiten. Das Tochterboot gab den Rettern die Möglichkeit, noch näher an die Gefahrenstelle heranzufahren. Die heutigen Kreuzer sind moderne Weiterentwicklungen.
Seit 1990 ist die DGzRS wieder flächendeckend für die deutschen Küsten von der Insel Borkum im Westen bis Ueckermünde am Stettiner Haff zuständig.
An den Gewässern rund um die Insel Usedom befinden sich in Freest, auf der Greifswalder Oie, in Zinnowitz sowie in Ueckermünde Seenotrettungsstationen. Während der 150-jährigen Geschichte der DGzRS konnte rund 82.000 Menschen schnell und unkompliziert geholfen werden.

Die Seenotretter heute

Das Seenotrettungsboot HECHT ist im Ostseebad Zinnowitz stationiertDie Seenotretter sind für den Such- und Rettungsdienst (SAR = Search and Rescue) im Seenotfall zuständig. Sie agieren unabhängig, eigenverantwortlich und auf privater Basis. Die Koordinierung der Einsätze erfolgt zentral von Bremen aus. Rund 1.000 Seenotretter leisten rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr in 54 Stationen ihren Dienst. 180 davon sind fest angestellt, etwa 800 ehrenamtlich Tätige engagieren sich in ihrer Freizeit für den guten Zweck. Sie können auf eines der modernsten und leistungsfähigsten Equipments weltweit zurückgreifen, um Berufsseeleute und Freizeitskippern in Not zu helfen. 20 Seenotkreuzer und 39 Seenotrettungsboote stehen ihnen zur Verfügung. Im Jahr 2014 wurden 2.183 Einsätze gefahren, bei denen 768 Glückliche aus Seenot gerettet und zahlreiche weitere Kranke oder Verletzte zur medizinischen Versorgung transportiert wurden. Ein Jahr zuvor hat diese Arbeit 36,2 Mio. Euro gekostet.

Das Blechschiffchen

Rettungsmann Holger Haas mit einem Sammelschiffchen, wie es auch auf Usedom zu finden istUnd genau an dieser Stelle kommt das Blechschiffchen aus meiner Kindheitserinnerung ins Spiel. Die Seenotretter finanzieren sich ausschließlich durch Spenden und freiwillige Beiträge. Die stammen aus Sammelaktionen, Testamentsverfügungen, Kondolenzspenden und Fördermitgliedschaften. Außerdem haben Richter und Staatsanwälte die Möglichkeit, Bußgelder an die Seenotretter zahlen zu lassen, was einen geringen Teil der Einnahmen ausmacht. Der Online-Shop hält zudem nützliche Geschenke für die Lieben oder sich selbst parat.
Für mich persönlich ist es kaum vorstellbar, dass eine solch wichtige Institution wie die Seenotretter, die ganz nah am menschlichen Schicksal arbeiten, sogar ihr eigenes Leben riskieren (auch schon verloren haben), ohne öffentliche Gelder und zum Großteil ehrenamtlich agieren können. Gehen Sie am nächsten Schiffchen nicht vorbei, plündern Sie ruhig Ihre Geldbörse…

Weitere Informationen mit Ton- und Filmsequenzen zur Arbeit der Seenotretter sowie den Online-Shop finden Sie auf www.seenotretter.de.

Spendenkonto
IBAN: DE36 2905 0101 0001 0720 16
Sparkasse Breme
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Text: Karin Höll
Fotos © DGzRS/Die Seenotretter

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